Nimmt man den Bau des Teltowkanals von 1901 – 1906 mit der zum elektrischen Treidelbetrieb erforderlichen Errichtung des Kraftwerkes Schönow zum Maßstab, dann sind seitdem auch 100 Jahre der Elektrifizierung des Raumes Teltow vergangen. Ein Zeitraum, der Anlass gibt, die Geschichte dieser Entwicklung und ihre Auswirkung auf Region und Wirtschaft darzustellen, sowie im Besonderen auch die umfangreichen Bemühungen von Energieversorgungsunternehmen zur elektrotechnischen Erschließung zu zeigen. Mit einer Vorlage vom 1. März 1904 beantragte der Kreisausschuss Teltow die Bewilligung von 922.000 Mark „zur Errichtung einer elektrischen Zentrale auf einem in der Nähe von Teltow – Schönow gelegenen Grundstücke, zur Beschaffung der elektrischen Kraft für die Zwecke des Treidelbetriebes, für die mechanischen Anlagen und die Beleuchtung der Schleuse und der Häfen sowie anderer Gebiete“. Es wäre auch möglich gewesen, Elektroenergie von den in Berlin existierenden Elektrizitätsgesellschaften zu beziehen, aber die Bauverwaltung des Kanals war der Ansicht, dass es zweckmäßig sei, auch die Elektroenergieerzeugung im KW Schönow in Eigenregie zu betreiben. Gleichzeitig wollte man durch Lieferung billigen elektrischen Stroms Industrie und Gewerbe am Kanal ansiedeln. Bereits Mitte der 1890´er Jahre dehnten die damals der AEG gehörenden Berliner Elektrizitätswerke (BEW), gegründet 1884, ihr Interessengebiet auch auf einen Teil des Kreises Teltow aus. Ab 1898 versorgten verschiedene Unternehmen die Region: die von der BEW gegründeten Berliner Vororts-Elektrizitätswerke (BVEW), später die Deutschen Continental – Gas – Gesellschaft (DCGG) Dessau. Als die Stadt Berlin im Jahre 1915 die gesamten Anlagen der BEW auf Grund eines Ankaufsrechts erwarb, trat erstmals eine Kommunalverwaltung in großem Umfang als Stromversorger auch in der Provinz Brandenburg auf. Bereits am 1. Mai 1909 war von der AEG gemeinsam mit der Elektrobank Zürich das Märkische Elektricitätswerk (MEW) gegründet worden. Um den Einfluss Berlins auf die Stromversorgung in der Provinz zu begrenzen, kaufte Brandenburg 7/12 des Aktienkapitals des MEW im Jahre 1916. Damit begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Brandenburgischen Elektrizitätsversorgung. Mit der Bildung von Großberlin 1920 ergaben sich zwangsläufig Versorgungs-gebietsverschiebungen Richtung Berlin. Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen dem MEW und dem Berliner Versorger (StEW bzw. BEWAG) kam 1929 ein Austauschvertrag zu Versorgungsgebieten zu Stande, wobei die Stadtgrenze Berlins die Demarkierungslinie zur Provinz Brandenburg bildete. Die MEW übernahmen die im Kreis Teltow liegenden Anlagen der BEWAG. Als Reaktion des Kreises auf diesen Versorgungsgebietstausch kam es, als Affront gegen das MEW, zur Bildung der Teltower Kreiswerke G.m.b.H. (TKW). Am 1. Juli 1938 trat das MEW das KW Schönow und die im Kreis Teltow befindlichen Verteilungsanlagen an die TKW ab, wobei seit 1930 die TKW ihren Strom zu einem großen Teil von den MEW bezog.Nach den erheblichen Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf die Strukturen und Anlagen der Stromerzeugung und –verteilung bemühten sich die TKW um einen Neuanfang. So wird aus dem Jahre 1946 berichtet, dass bereits gleich nach der Besetzung durch sowjetische Truppen mit einer zwar unzureichenden, aber doch zeitweiligen Notstromversorgung begonnen werden konnte, seit dem 5. Mai 1945 z. B. in der Stadt Teltow für die Mühle, Krankenhäusern, Bäckereien und für die sowjetischen Kommandanturen. Mitte Mai bis Oktober 1945 versorgte auch die BEWAG den Bereich Teltow, dessen Netze erst Ende Oktober wieder hergestellt waren.Am 30. Mai 1947 beschloss die Hauptversammlung des MEW eine Namensänderung. Nunmehr hieß das Unternehmen, ohne das sich etwas grundsätzlich änderte, „Brandenburgisch – Mecklenburgische Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft (BMEW)“. Mit SMAD – Befehl Nr. 76 vom 23. April 1948 wurde in der sowjetischen Besatzungszone die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) geschaffen und, obwohl die BMEW kein Volkseigentum waren, fand eine Übertragung der BMEW am 28. August 1948 auf den Energiebezirk Nord statt (am 15. Juli 1948 war das MEW enteignet worden). Der Energiebezirk Nord nahm am 1. Juli 1948 seine offizielle Tätigkeit auf. Im Frühjahr 1949 existierte innerhalb des Energiebezirks die Betriebsdirektion Babelsberg (Teltow), vorher schon bei MEW und BMEW, in die u.a. bereits per 9. September 1946 die TKW und die Elektrizitäts – Gemeinschaft „Süd – Teltow“ per 1. Januar 1947 eingegliedert worden waren. Nach mehreren organisatorischen Zwischenschritten entstand mit Wirkung vom 1. Juli 1958 als Bezirksbetrieb der VEB Energieversorgung Potsdam mit Sitz in Potsdam, was bereits mit Bildung des Energiebezirks Mitte zum 1. Januar 1951 organisatorisch vollzogen war. Die unmittelbare Versorgung mit Elektroenergie der Teltower Region erfolgte vom Betriebsteil Energieversorgung Babelsberg bzw. Potsdam des unterschiedlich firmierenden Energieversorgers VEB Energiekombinat Mitte (ab 1. Januar 1970) und Energiekombinat Potsdam (ab 1. Januar 1980). Nach der Wiedervereinigung entstand die Märkische Energieversorgung AG (MEVAG), Potsdam aus dem Energiekombinat. Zum 1. Oktober 1998 wurde das Regionalzentrum Teltow geschaffen, das bereits am 15. April 1996 als Netzbetrieb Teltow seinen Standort in Teltow, Potsdamer Straße 14A, im Techno Terrain bezogen hatte.
Die am 1. Juni 1999 gegründete e.dis Energie Nord AG, hervorgegangen aus der Fusion der MEVAG mit der EMO (Neubrandenburg), HEVAG (Rostock) und der OSE (Frankfurt/ Oder), versorgt jetzt als E.ON edis AG mit seinem Regionalbereich Teltow-Fläming die Region Teltow, in der viele Kommunen Anteilseigner am Energieversorger sind.
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