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Lange Zeit war der Teltowkanal als Wasser-Umgehungsstraße Berlin vor allem ein schnödes Zweckbauwerk. Er wurde als Abkürzung zwischen Treptow und Potsdam in die märkische Landschaft gegraben, um die aufstrebenden Gemeinden im Berliner Süden zu erschließen und um abzukürzen und damit die Berliner Innenstadt zu entlasten. Und zwar nicht nur vom Schiffsverkehr, der jetzt nicht mehr unbedingt bis zur Mündung der Spree oberhalb der Spandauer Zitadelle fahren musste, sondern auch vom schmutzigen Wasser.
Denn der Teltowkanal war nicht nur Transportmedium für Baustoffe, Kohle und Industriegüter. Er war zugleich auch ein Ableiter für die flüssigen Abfälle der Metropole. Aus unzähligen Betrieben flossen zu Zeiten, als Umweltschutz noch ein unbekanntes Wort war, belastete Abwässer direkt in den Kanal. Und auch bis zu fünf Berliner Klärwerke leiteten ihr gereinigtes Abwasser in ihn ein. Aber: Zwischen gereinigtem Abwasser vor 30 Jahren und heute liegen Welten. Damals war der Standard in den Klärwerken und auf den Rieselfeldern meilenweit von den heutigen Leistungen entfernt. Die Quantensprünge in der Abwasserreinigung sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten erfolgt.
Stück für Stück erholt sich das Wasser des Teltowkanals. Die Berliner Wasserbetriebe haben daran einen wesentlichen Anteil. So wurden die Klärwerke Adlershof (1996) und Marienfelde (1998) stillgelegt und die Werke Ruhleben (von dort fließt nur im Sommer das Klarwasser in den Teltowkanal, im Winter fließt es direkt in die Spree), Stahnsdorf und Waßmannsdorf zählen heute nicht nur in Deutschland zu den modernsten Kläranlagen.
Gegenüber 1990 werden heute aus den Berliner Kläranlagen 81% weniger Phosphor und 98% weniger Ammoniumstickstoff in Spree und Havel eingetragen. Phosphor als Nährstoff ist hauptverantwortlich für das Algenwachstum. Besonders giftig für Fische ist Ammoniumstickstoff, dieser zehrt den Sauerstoff aus dem Gewässer. Beide Stoffe sind direkte Einflussgrößen für die Gewässerqualität. Die Berliner Abwassermenge ist in dieser Zeit aber nur um 28% gesunken. Dies verdeutlicht den großen Qualitätssprung, den die Berliner Wasserbetriebe sowohl durch die gesteigerte Reinigungsleistung ihrer Kläranlagen als auch durch eine veränderte Verteilung der Abwasserströme erreichen konnten. Fast viereinhalb Milliarden Euro haben die Berliner Wasserbetriebe seit 1990 in ihre Infrastruktur zur Ableitung und Klärung des Abwassers investiert.
An weiteren Verbesserungen wird gearbeitet. So arbeiten die Berliner Wasserbetriebe intensiv an innovativen Technologien zur weitergehenden Reinigung des Abwassers. Die in diesem Zusammenhang bereits praktizierte Aufleitung von geklärtem Abwasser auf ehemalige Rieselfelder entlastet beispielsweise nicht nur die Gewässer, sondern verbessert auch den Wasserhaushalt in der Region. Für den Teltowkanal wirken sich hier die entsprechenden langjährigen und wissenschaftlich begleiteten Großversuche mit Klarwasser aus den Werken Ruhleben (Aufleitung auf das Rieselfeld Karolinenhöhe) und Waßmannsdorf (Südableitung von Teilströmen in die Nuthe-Notte-Niederung) positiv aus.
Gleichzeitig sind die Berliner Wasserbetriebe mit den Berliner und Brandenburger Umweltbehörden in einem intensiven Dialog über die zur Erreichung der Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie erforderlichen weiteren Maßnahmen. Diese Richtlinie sieht vor, das Spree-Havel-Flusssystem in einen „guten“ Zustand zu versetzten. Das bedeutet das Erreichen der so genannten Gewässergüteklasse 2.
In den vergangenen Jahren hat sich der Charakter des Teltowkanals stark gewandelt. Aus der Ver- und Entsorgungsader im Berliner Süden ist mehr und mehr ein Wasserlauf geworden, der der Erholung dient und mit fortschreitender Verbesserung der Wasserqualität auch immer mehr zum Biotop wird. Wir werden unseren Teil dazu beitragen, damit sich dieser positive Trend unumkehrbar fortsetzt.
Jörg Simon
Vorstandsvorsitzender Berliner Wasserbetriebe
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