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Cornelia Behm (MdB) und Axel Mueller

Gedanken zum Teltowkanal in Kleinmachnow

Bis 1901 floss hier, wo wir uns jetzt befinden, die Bäke durch eine sumpfige Niederung. Einige hundert Meter östlich von unserem Standort wurde vor vielen Jahrhunderten quasi der Grundstein für Kleinmachnow gelegt, denn hier, an einer günstig zu überquerenden Stelle in der Bäkeniederung, führte eine alte Handelsstraße der Slaven von Saarmund nach Spandau und Köpenick. Diese Handelsstraße sowie die umliegenden wildreichen Wälder und der Machnower See waren Anlass zur ersten Siedlungsgründung im 13. Jahrhundert. Viele Jahrhunderte blieb Machnow ein bescheidener Gutsbezirk bis im vergangenen Jahrhundert die Gutsherren von Hake in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Sie verkauften Teile ihrer Ländereien, um sich wirtschaftlich zu sanieren. So wurde auch ein Landstreifen von 100 Morgen an den Landkreis Teltow zum Bau des Teltowkanals abgetreten, der Machnow in voller Länge durchschnitt.

Der Teltowkanal sollte eine kurze Verbindung zwischen Havel und Spree schaffen, den Süden Berlins verkehrlich erschließen und dabei gleichzeitig das breite Urstromtal der Bäke entwässern und gewerblich nutzbar machen. 1898 wurde auf Betreiben des damaligen Landrates Stubenrauch dem Kreis Teltow die Baugenehmigung für den Kanal erteilt. Im Dezember 1900 vollzog der Kronprinz im Babelsberger Park den ersten Spatenstich. Damals ahnte noch niemand, dass aus den ursprünglich vorgesehenen 25 Mio. Mark Bausumme am Ende 39,2 Mio. Mark werden würden. Die Ursache dafür lag im Baugrund, der die Baudurchführung erschwerte. Der Untergrund war so wenig tragfähig, dass beiderseits des Kanals auf festen Untergrund geschüttete Dämme erforderlich wurden. Zur Überwindung des Unterschiedes des Wasserstandes von Havel und Spree von etwa 3 m wurde eine Schleuse gebaut. Die technische Konstruktion entsprach den damals neuesten Erkenntnissen. Ein Modell der Schleuse wurde 1902 auf der Weltausstellung in St. Louis gezeigt. Es wurden zunächst zwei Schleusenkammern angelegt, deren Tore nicht, wie bis dahin allein üblich, gedreht sondern emporgehoben wurden. Eine Bootschleppe für Sportboote ersparte den Ruderern das Schleusen. Die Schleuse mit Schleusenwirtshaus und Biergarten - hier konnten Familien ihren Kaffee kochen - war sowohl mit der Sternschiffahrt als auch mit der Straßenbahn, also mit öffentlichen Verkehrsmitteln, gut zu erreichen und entwickelte sich zu einem Ausflugsschwerpunkt für die Berliner. Mit der Entwicklung von 1.000- t-Schiffen erwies sich die Schleuse als zu klein. Noch während des zweiten Weltkrieges wurde deshalb eine weitere, größere Schleusenkammer gebaut, der das bis dahin beliebte und viel besuchte Schleusengasthaus zum Opfer fiel. Da die geschütteten Dämme keinen Wellenschlag aushielten, wurden die Schiffe mit eigens von der Fa. Borsig für den Kanal entwickelten Treidellokomotiven von Grünau bis zur Glienicker Lake getreidelt. Das dauerte damals acht Stunden. Der zweite Weltkrieg beendete den Kanalbetrieb.
1949 wurden die Schienen und die Treideleinrichtungen abgebaut. Nach außen trat Ruhe auf dem Kanal ein, aber die Industrie in den anliegenden Gewerbegebieten nutzte den Kanal nun ganz ungehemmt zur Abwasserentsorgung. Zeugnis davon legen die in den Sedimenten abgelagerten Schadstoffe ab, die bei jedem Ausbau des Kanals neue Probleme aufwerfen werden. Auf Grund des Abkommens zwischen der DDR und dem Senat von Westberlin zur Wiedereröffnung des Kanals wurden Ausbaubaumaßnahmen beschlossen, die das selbständige Durchfahren der Schiffe durch den Kanal gewährleisten sollten. Dazu wurde die Kanalsohle um 2 m vertieft und die Uferzone mit Stahlspundwänden befestigt. Das waren Maßnahmen mit gravierenden ökologischen Folgen, wurde doch ein Teil des Bäketales in Kleinmachnow und Stahnsdorf mit dem Baggergut zugespült. Es entstand als “Biotop aus Menschenhand” ein Spülfeld am Rande des alten Dorfes wo einst in einer lieblichen Aue auch Orchideen blühten. Auch die Schleusenbrücke wurde inzwischen ein Opfer der modernen Zeit.
Anfang der 90er Jahre von einem Frachtschiff gerammt war sie über 10 Jahre für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Ihr Neubau wurde im Hinblick auf die Planungen für das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17 durchgeführt. Das bedeutete, dass die Brücke nicht im alten Zustand wieder hergestellt wurde, sondern um einen Meter angehoben und unter Berücksichtigung der künftigen Ausbaubreite des Kanals und des schwierigen Baugrundes in westlicher Richtung verschoben wurde. Bei dem Brückenbau wurde aus vorgeschobenen Kostengründen auf die Errichtung von Radwegen verzichtet, so dass es für Radfahrer keine attraktive Passage in dem Bereich gibt.

Wenn Sie sich für den technischen Fortschritt begeistern, wenn Sie sich für die Erleichterung schwerer Arbeit, für Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung einsetzen, denken Sie auch an die Folgen und an die künftigen Generationen. Der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der Machnower Schleuse auf 190 Meter hat noch gut ein Jahr lang Bestand. Aufgrund der Entscheidungen des Berliner Senats macht aber nur eine 115-Meter-Schleuse noch Sinn, da der Bedarf für Schubverbände und Containerschiffe so nicht mehr besteht.

Treten Sie mit dafür ein, dass hier im Gedenken an 100 Jahre Teltowkanal aus dem Wirtschaftsfaktor Teltowkanal ein die Menschen im Geiste verbindender Faktor für sanften Tourismus und Naherholung wird, dessen wirtschaftliche Seite natürlich auch zurecht besteht. Deshalb sollte sich die WSD-Ost auch finanziell an der Realisierung und Entwicklung des Kanalauen-Projektes beteiligen und die Anliegergemeinden sollten mit Tatkraft dies unterstützen.

Cornelia Behm und Axel Mueller

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