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Ralf Kühne

100 Jahre Teltowkanal – im Bezirk kein Thema

Seit einhundert Jahren zieht sich der Teltowkanal nun durch Tempelhof und Mariendorf. Zwei der größten Kanalhäfen, der Tempelhofer und der Mariendorfer Hafen, liegen im Bezirk. Und ähnlich den Bahntrassen war der Kanal in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens Anziehungspunkt für Industrie und Gewerbe. Doch spätestens mit dem Bau der Mauer versank der Kanal, seiner Funktion als Verkehrsweg beraubt, im Strom des Vergessens; ein Zustand, der sich bis heute hartnäckig hält.

Chancen: Tourismus und Freizeit
Dabei bietet der Teltowkanal als Schifffahrtsstraße durchaus Chancen für den Bezirk. Sicher nicht als Versorgungsader für Industrie und Gewerbe, diese Funktion haben längst andere Verkehrsträger übernommen. Günstigenfalls ist das die Bahn, meist aber der Straßenverkehr, was auf den Brücken über den Kanal schmerzhaft und lautstark erfahrbar ist. Die Chancen liegen im Bereich Freizeit und Tourismus, einer Wachstumsbranche in Berlin und Brandenburg.

Tempelhofer Hafen – urbanes Zentrum am Wasser
Wassertouristen bietet sich der Kanal als ideale Ausweichstrecke zwischen Potsdam und Grünau an, auf der die überfüllten Havelseen und die Innenstadt umfahren werden können, ohne Berlin gleich links liegen zu lassen. Mit dem Mariendorfer Hafen bietet sich ein großzügiger Liegeplatz an, der als idealer Versorgungsstandort dienen könnte. Parallel dazu könnte sich der Tempelhofer Hafen im Zusammenspiel mit ufaFabrik und Ullsteinhaus als urbanes Zentrum am Wasser entwickeln, wie dies in anderen Bezirken bereits erfolgreich praktiziert wird. Mit der U-Bahn geht’s von hier in wenigen Minuten in die Innenstadt.

Bezirk zeigt wenig Interesse an Hafennutzung
Auch Steglitz-Zehlendorf und Neukölln haben die Potenziale erkannt, die im Teltow-Kanal liegen. Im Wassertourismus-Konzept des Senates taucht der Kanal bisher nur am Rand auf, kaum dass seine Existenz erwähnt wird. Daher stellten die Grünen den Antrag, das Konzept auf Bezirksebene in Zusammenarbeit mit anderen Bezirken, Kommunen, Unternehmen, Geschäftsstraßeninitiativen und Tourismusverbänden mit Inhalt und Leben zu füllen und sich zudem an den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen ebenso zu beteiligen wie am wassertouristischen Leitsystem des Tourismusvereins Treptow-Köpenick. Doch an all dem haben weder der Wirtschaftsstadtrat und Bürgermeister Band noch die Fraktionen von CDU und SPD größeres Interesse. Kaum mehr als eine Aufforderung an den Senat kam zu Stande, sich angelegentlich um das Thema zu kümmern.
Auch vom preisgekrönten Konzept der ufaFabrik in Zusammenarbeit mit dem id22:Institut für kreative Nachhaltigkeit und Studierenden der TU für ein Kultur- und Dienstleistungszentrum am Tempelhofer Hafen ist ebenso wenig geblieben wie von den Ergebnissen eines Runden Tisches. Während in der Einkaufspassage an der Ordensmeisterstraße bereits die Verkaufsflächen verteilt sind, existieren für die Hafennutzung nur bunte Bildchen und viele Versprechungen.

Vom Teltowkanal kann ein positiver Impuls für den Bezirk ausgehen.
Die Mehrheit in Politik und Verwaltung muss ihre Passivität aufgeben, die potenziellen Akteure an einen Tisch bringen und von Projektentwicklern die Einlösung ihrer Versprechen offensiv einfordern; Bund und Land müssen sich von überkommenen Vorstellungen lösen, sei es von den Plänen einer industriellen Wasserstraße gemäß »Projekt 17«, sei es vom Vorhaben, im Hafen Mariendorf einen Umschlagplatz für Bauschutt und Abfall einzurichten. Dann kann vom Teltowkanal nach einhundert Jahren erneut ein positiver Impuls für den Bezirk ausgehen.

Ralf Kühne
Stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Tempelhof-Schöneberg

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Wolfgang Blasig Dr. Jens Klocksin