Aus der Britzer Geschichte
Der Teltowkanal und seine Bedeutung für Britz
Aus dem gleichnamigen Vortrage des ersten Vorsitzenden des Bürgervereins Herrn Otto Kilz.
Der Teltowkanal hat seinen Namen nach seinem Schöpfer, dem Kreise Teltow. Er verbindet in einer Länge von 37 Kilometern die Havel bei Klein-Glienicke mit der Spree bei Grünau. Eine 3.5 Kilometer lange Zweiglinie führt vom Britzer Osthafen nach der Spree bei Baumschulenweg; vom Griebnitzsee zweigt sich der Prinz-Friedrich- Leopold-Kanal zum Großen Wannsee ab. Der erste Spatenstich zum Kanal geschah am 22. Dezember 1900 im Schlosse zu Babelsberg in Anwesenheit des Kronprinzen; eröffnet wurde er am 2. Juli 1906 durch S. M. den Kaiser. Der Kanal hat eine Sohlenbreite von 20 Metern und eine Tiefe von 2,50 Metern.
Seine allgemeine Bedeutung ist kurz folgende:
Er ist 1. für südlichen und südöstlichen Orte des Kreises Teltow, welche eine natürliche Entwässerung ganz oder teilweise entbehren, ein wirksamer Vorflutkanal, zur Aufnahme der Regenwässer. Er ist 2. für den Ortsverkehr ein bequemer Schiffahrtskanal, durch den der Bedarf an industriellen Erzeugnissen, Brennmaterialien usw. billig herangeschafft werden kann. Er ist 3. für alle die Schiffe, welche sonst den Durchgangsweg durch Berlin nehmen mußten, ein zeitsparender Entlastungskanal. Seine Notwendigkeit beweist der sich von Jahr zu steigernde Schiffsverkehr auf demselben. Wie für die anderen anliegenden Orte, hat er auch für Britz große Werte geschaffen:
- a) Ohne ihn hätte die Gemeinde für Beseitigung der Straßenabwässer die Kanalisationsanlage bedeutend größer und kostspieliger ausführen lassen müssen; vor allem mußte das Pumpwerk zu Zeiten so erhebliche Mehrarbeit leisten, daß die jährlich an den Kreis für Zwecke des Teltowkanals zu zahlenden Abgaben von 9000 Mark lange nicht ausreichen würden, die Mehrkosten des Fortpumpens zu decken.
- b) Die noch vor wenigen Jahren rein landwirtschaftlich oder gärtnerisch ausgenutzten Grundstücke am Kanal sind Spekulationsobjekte in größerer Höhe geworden; somit hat der Kanal eine ganz bedeutende Wertsteigerung der Grundstücke gebracht.
- c) Weiterhin hat nur durch den Kanal die steuerkräftige Großindustrie ihren Einzug auch in Britz gehalten.
- d) Er hat durch Regulierung des Wasserspiegels viele niedrig gelegenen Ländereien überhaupt erst bebauungsmöglich gemacht.
- e) Wir haben durch die Anlage des Teltowkanals eine Personenschiffahrt erhalten, welche besonders während der Ferien zum billigen Preise und durch die Anlagestege in der Chaussee- und Rudower Straße auf bequeme Weise uns die Schönheiten der Heimat, sowohl nach der Spree, als auch nach der Havelseite erschlossen hat.
"Endlich wird niemand leugnen können, daß der Kanal auch in Britz zur Verschönerung des Landschaftsbildes und zur allgemeinen Belebung der Gegend wesentlich beträgt. Noch mehr wird seine Bedeutung für den Orts und Durchgangsverkehr steigen, wenn erst die von den zuständigen Behörden genehmigte und bereits angefangene Verlängerung des Rixdorfer Stichkanals bis zum Britzer Osthafen fertiggestellt sein wird."
(Britzer Wochenschau, Nr. 4, vom Sonntag, den 25. Juni 1911, Herausgeber Bürgerverein Britz e.V. Fotos "Brücke Rixdorf-Mariendorf (Tempelhof) Einst und Jetzt" finden Sie im Britzer Heimatboten)
Quelle
BÜRGERVEREIN BERLIN-BRITZ E.V. GEGR. 1890
HEIMATKUNDLICHE VEREINIGUNG Vorsitzender: Gero Striek, Liningstr. 61, 12359 Berlin
Britzer Heimatbote, 76. Jahrgang
Juli / August / September 2006
BURGERVEREIN BERLIN-BRITZ E.V.
(Heimatkundliche Vereinigung) Gegründet 1890
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Übrigens ist der Bürgerverein 16 Jahre älter als der Teltow-Kanal und der Ort Britz gehörte früher zum Landkreis Teltow!
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