Flachwasserzonen am Teltowkanal
Was sind Flachwasserzonen?
Flachwasserzogen sind ein typisches Element zur Ufergestaltung, das speziell für den Teltowkanalausbau entwickelt wurde. Diese Bauweise steht für innovatives Handeln im Wasserbau. Sie verbindet die notwendige Sicherheit für die Schiffahrt in einem engen Kanal mit der Lebensraumgestaltung analog zu einem natürlichem Flußufer.
Diese Bauweise hat sich im rauhen Alltag bewährt und wird auch bei zukünftigen Ausbaumaßnahmen weitere Anwendung finden.
Die Uferbefestigung
Mit einem Kanalufer verbindet die Bevölkerung im allgemeinen Ufer technischer Art, d.h. mit Stein, Beton oder Stahl begrenzte Wasserflächen. Häufig sind diese Einfassungen senkrecht eingebracht, so dass der Schiffahrt eine eindeutige, sicher begrenzte Wasserfläche vorgegeben ist. Derartige Ufer weisen gegenüber Flussufern in natürlicher Ausbildung keinen Land-Wasser-Übergang auf. Dieser Übergang mit oftmals wechselnder Ufergestaltung und schwankenden Wasserständen stellt einen wertvollen Lebensbereich dar.
Der Respekt vor Ausspülungen von Wellenangriffskräften ist bei den Wasserbauern zu Recht tief verwurzelt. Vielfach waren Kanäle, die ja künstliche Wasserwege ohne natürliche Gefälleverhältnisse sind, auch in Dammlage errichtet und bei einem Schaden wäre nicht nur die Schiffahrt, sondern auch das Umland gefährdet. Auch die Aufgabe, den Schiffahrtsweg vor Uferabbrüchen und Untiefen zu bewahren, zwingt den Uferbauer, sich der Ufersicherung mit besonderer Sorgfalt zu widmen.
Auch der Teltowkanal weist in weiten Teilen eine unnatürliche Uferbefestigung auf. Wenn auch der Treidelbetrieb leichtere Uferbefestigungen ermöglichte, waren diese jedoch rein technischer Natur. Die im schwankenden Wasserbereich verlegten Betonplatten in einer Neigung von überwiegend 1:2 ragten bis zu 40 cm über den Normalwasserstand hinaus.
Der Kompromiss
Wer einmal erlebt hat, wie u.a. ein baden gegangener Hund vergeblich versuchte, über diese Platten an Land zu gelangen, wird sich der lebensfeinlichen Bauweise bewusst werden.
Die Entwicklung der Bauweise „Flachwasserzone“ beruht auf einen Kompromiss zwischen Sicherheitserfordernis und Naturschutz. An erster Stelle wurden Flachwasserzonen für die Bereiche entwickelt, in denen Überbreiten im Kanal infolge aufgegebener Verladestreifen oder Wartestellen vorhanden waren. In diesen Fällen erfolgte die Sicherung mit der Spundwand ca. 3 m wasserseitig vor der ehemaligen Uferbefestigung. Der gewonnene Wasserbereich wurde - und daher kommt die Bezeichnung für diese besondere Ufergestaltung - als Flachwasserbereich angelegt.
Das System
Typische Flachwasservegetation, wie Rohrkolbengewächse, Schilf, Binsen und Seggen wurden in diesen Bereichen angepflanzt. Um die vielen Spaziergänger zu erfreuen, wurde auch Wert darauf gelegt, das blühende Pflanzen, wie z.B. die Wasserschwertlilie oder die besonders schöne Schwanenblume eingestreut wurden. Die üblicherweise am Ufer wachsenden Büsche und Jungbäume wurden zurückgeschnitten. Die Flachwasserbereiche wurden auch entgegen der technischen Zeichnung in der Höhe unregelmäßig gestaltet und mit einzelnen „Störsteinen“ ausgestattet.
Die Pflanzen
Wie immer, wenn der Mensch für eine bestimmte Gestaltung in die Natur eingreift, muß er zur Erhaltung des gewünschten Zustandes auch immer wieder pflegend tätig werden. Sehr schnell holt sich ansonsten die nicht geordnete Natur den Kulturbereich zurück.
Die Krainerwand
In den Fällen, in denen nicht genügend Freiraum für die wasserseitige Schaffung von Flachwasserzonen vorhanden war, wurde die Kanalböschung landeinwärts abgegraben. Die durch die Abgrabung entstandene steilere Böschung wurde üblicherweise mit einer ingenieur-biologischen Bauweise abgesichert. Eine dieser Ausbauarten ist z.B. die sogenannte Krainerwand.
Neben dem künstlich hergestellten Flachwasserbereich kennzeichnet auch diese Bauweise die neuen Ufersicherung am Teltowkanal.
Der Exportschlager
Flachwasserzonen haben sich als Landschaftsbildbereicherung als auch als Lebensraum bewährt. Neben den schon erwähnten Pflanzen des Flachwasserbereiches tummelt sich Wassergetier aller Art, angefangen von Wasserflöhen bis hin zu Libellenlarven und Kaulquappen darin. Amphibien haben eine neue Lebensstätte gefunden und auch die Wasservögel wissen diese Bereiche zu schätzen. Auf der nur niedrig über der Wasseroberfläche hinausragenden Spundwand sitzend, haben sie vor sich die weite Wasserfläche als Fluchtmöglichkeit und hinter sich einen reich gedeckten Tisch.
Da dieses Experiment so gut gelungen ist, erfreut es nicht nur alle an der Entwicklung und Herstellung Beteiligte, sondern kommt auch als „Exportschlager“ an anderen gleichartigen Gewässern zum Einsatz.
Peter Neugebauer, WSD-Ost









