Nach 100 Jahren - die Reste des Treidelbetriebes
Einstmals war es die modernste Einrichtung in der Welt und Vorbild für viele gleichartige Anlagen, u.a. am 1914 erbauten Panamakanal. Heute sind von den Anlagen des Treidelbetriebes nur noch wenige, an zwei Händen abzuzählende,Teile übrig geblieben. Nach fast 40 Jahren erfolgreichen Betriebes wurden viele Anlagen im zweiten Weltkrieg so zerstört, daß an einen Wiederaufbau nicht zu denken war. Die Anlagenteile wurden demontiert und was nicht an anderen Orten eine Wiederverwendung fand, wurde eingeschmolzen.
1999 wurden von Herrn Köhler bei seinen Spaziergängen am Teltowkanal beschrieben in seinem Buch noch Treidelbetriebsreste folgenden Umfanges gefunden: Neun Oberleitungsmaste, 2 Lokschuppen, 2 Brückenpfeiler von Treidelbahnbrücken und zahlreiche Mastfundamente mit kurzen Stummeln der ehemaligen Oberleitungsmaste. Im Zuge der Verschrottung wurden die Maste einfach oberhalb der Fußeinfassung abgebrochen. Bei einigen geschah dies erst in größerer Höhe, so daß auch einige längere Stummeln stehen blieben.
Im Jubiläumsjahr 2006 waren nur noch 5 dieser Maste übrig geblieben und nur einer hatte noch seine stolze Länge von rd. 5 m. Die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes, entschloß sich deshalb, diese Industriedenkmale zum Teil sicher zu stellen und auf der Festveranstaltung am 02. Juni 2006 der Öffentlichkeit in einer speziellen Ausstellung zu präsentieren.
Am 27. März 2006 wurden die ausgewählten Maste von der Mannschaft des Außenbezirkes Britz des Wasser- und Schiffahrtsamtes Berlin geborgen und zur Überarbeitung zum Bauhof Grünau transportiert. Im Mai 2006 werden die renovierten Maste in Klein-Machnow im Berufsbildungszentrum (Bbiz) der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Ost aufgestellt. Typisch für die damalige Zeit sind die Nietverbindungen, die den technischen Bauwerken ein schmuckes Aussehen geben.
Am 02. Juni 2006 werden die Maste und die entsprechenden Erläuterungen eine der Attraktionen der Festveranstaltung auf dem Gelände des Bbiz sein.
Von den ehemaligen fünf, auch architektonisch ansprechenden, Lokschuppen, haben zwei die 100 Jahre überstanden. Einer steht in Albrechts-Teerofen und einer an der Späthbrücke. Nur im Inneren dieser Schuppen finden sich auch noch Reste von Schienen der Treidelbahn. Alle anderen Schienenteile der etwas 160 km langen Gleisanlagen wurden nach dem Krieg restlos abgebaut. Auch alle 8 für den Treidelbetrieb errichteten Leinpfadbrücken - u.a. über Hafeneinfahrten – verschwanden. Die Schönheit dieser technischen Bauwerke läßt sich noch am Edenkobener Steg erkennen. Hier fand das Mittelteil der Hafenüberführung des Hafens Steglitz beim Wiederaufbau Verwendung.
Wer sich näher für die Treidelschifffahrt interessiert, sollte das Deutsche Technikmuseum Berlin besuchen, dort steht noch eine der 26 Treidellokomotiven.
Eine andere wurde auf der Uferpromenade an der Emil-Schulz-Brücke als Ensemble einer Treidelszene aufgestellt. Eindrucksvoll erinnert diese Treidelszene an die grossartige Geschichte des Treidelbetriebes am Teltowkanal. Wie so oft hat sich auch durch diese Einrichtung bewiesen, dass technische Errungenschaften unter Betrieb sich weltweit vermarkten
lassen.
Es hat sich aber auch gezeigt, dass die technische Entwicklung immer wieder nach neuen Anpassungen verlangt. Die in weiten Teilen neue Ausbauform des Teltowkanals für die grösseren Güterschiffe mit "Flachwasserzonen" steht als ein Beispiel für innovatives Handeln im Wasserbau.
Peter Neugebauer (WSD-Ost)
Galerie Bergung der Treidelmasten
Galerie Flachwasserzone