100 Jahre Eröffnungen
Als am 02. Juni 1906, vor 100 Jahren, die Kaiserliche Yacht Alexandria mit seiner kaiserlichen Majästet, Wilhelm II., der kaiserlichen Familie, dem Landrat von Stubenrauch, den königlichen Bauräten Havestadt und Contag sowie vielen Ehrengästen das Band bei Kilometer 0,00 durchbrach, war schon bekannt, dass weitere Eröffnungen bzw. Teileröffnungen folgen würden. Der Kanal war beim offiziellen Eröffenungstermin noch gar nicht durchgehend fertiggestellt. Der Eröffnungs-Schiffskonvoi fuhr deshalb und auch wegen des regnerischen Wetters nur durch die Schleuse Klein-Machnow bis auf Höhe der Stadt Teltow und dann wieder zur Schleuse zurück.
Auch der geplante Schiffskonvoi zum 100jährigen Jubiläum wird nur bis zur Schleuse Klein-Machnow fahren, jedoch nicht, weil der Kanal nicht durchgehend befahrbar ist, sondern weil in Klein-Machnow die Festveranstaltung und ein Bürgerfest stattfinden. Durchgehend passierbar so wie heute war der Kanal in seiner 100jährigen Geschichte nicht immer. Die Bauarbeiten zum Kanalausbau erfolgten sowohl von der Havel- als auch der Dahme/Spree-Seite. Da die Baugrundverhältnisse im Spreetalabschnitt günstiger als in der Teltowhochfläche und im Bäketal waren, war der Abschnitt von Britz nach Grünau schon nach 3 Jahren Bauzeit fertig und abgenommen. Die erste Teileröffnung fand deshalb schon vor der offiziellen Eröffnung statt. Am 29. April 1904 wurde der Spreetalabschnitt vorwiegend für Ausflugsdampfern freigegeben.
Wesentlich schwieriger als in diesem zuerst eröffneten Abschnitt gestaltete sich der Bau in dem Durchstich durch die Teltowhochfläche und insbesondere im ehemaligen Bäketal. Dort erfolgten dann auch die letzten Ausbauerarbeiten. In der Nacht vom 17. zum 18. März 1906 wurde mit einem konzentrierten Einsatz von Baggerschiffen das letzte Teilstück in Lichterfelde ausgebaggert.
Bis zur entdgültigen Fertigstellung des Kanals dauerte es noch einige Monate. Am 17. Dezember 1906 wurde das letzte Teilstück freigegeben und am 22. Dezember 1906 durchfuhr der Herr Landrat von Stubenrauch zum ersten Mal den gesamten Teltowkanal.
Der Teltowkanal erlangte seit dieser Eröffnung bis hin zum Ende des 2. Weltkrieges eine ständig wachsende wirtschaftliche Bedeutung. Im Rahmen der reichsdeutschen Ausbauplanung war deshalb auch die Erweiterung des Kanals für das 1.000 t-Regelschiff vorgesehen. Infolge der Kriegsereignisse erfolgte jedoch nur der Neubau der dritten Schleusenkammer in Klein-Machnow.
Die Eröffnung dieser neuen Kammer fand wegen der Kriegsereignisse 1940 ohne Feierlichkeit statt.
Nach dem Krieg begannen wie im gesamten Stadtgebiet – auch am Teltowkanal – Aufräumarbeiten, um den Verkehrsweg wieder herzustellen. Brückenteile, der noch kurz vor Kriegsende gesprengten Brücken und Uferschäden durch Bombentreffen mußten beseitigt werden. Die Wiederinbetriebnahme des Schiffsverkehrs wurde jedoch durch die Blockade und die anschließende totale Sperrung des Teltowkanals in den Abschnitten Teltow und Grünau unterbrochen. Der Teltowkanal war somit an beiden Anfangs- bzw. Endpunkten nicht befahrbar. Lediglich über den Britzer Verbindungskanal war von der Spree her ein Zugang zu den in ehemals Berlin (West) gelegenen Häfen und Umschlagstellen gegeben. Die erste Kanalfahrt nach dem Krieg ist leider nicht überliefert. Es sollten drei Jahrzehnte vergehen, bis sich an dem eingeschränktem Zustand etwas änderte. Dreißig Jahre, in denen weite Abschnitte des Kanals von der Natur zurück erobert und vergessen wurden.
Mitte der siebziger Jahre wurde von der damaligen Ostberliner Seite signalisiert, daß man bereit sei, über weitere Verbesserungen im Berlin-Verkehr zu verhandeln. Am 16. November 1978 kam die Vereinbarung zur Wiedereröffnung des Teltowkanals vom Westen her zustande und am 20. November 1981 war dann die feierliche Eröffnung. Entsprechend der Wichtigkeit für die Versorgung von ehemals Berlin (West) fuhr als erstes Schiff zur Wiedereröffnung das Tankmotorschiff „Lichterfelde“ mit seiner vollen Ladung zum Kraftwerk gleichen Namens.
Es sollte noch bis zur Wende dauern bis auch der Sportbootverkehr wieder im Kanal zugelassen wurde. Im März 1990 war es soweit. Aus der „ehemaligen Reichswasserstraße“ war inzwischen eine Bundeswasserstraße geworden und die Zuständigkeit auf die neu gegründete Wasser- und Schiffahrtsdirektion Ost (WSD-Ost) übergegangen. Ein Jahrzehnt später, am 01. April 2000 war nunmehr die letzte Eröffnung am Teltowkanal und dies war, wie der Herr Präsident der WSD-Ost, Herr Achim Pohlman, bei der feierlichen Eröffnung sagte, kein Aprilscherz, sondern die Beseitigung des letzten Hindernisses im Teltowkanal zwischen km 34,1 und km 36,6 im Bereich der ehemaligen Grenzsperre. Giftige Schlammablagerungen mußten hier erst einmal beseitigt werden.
Die Wiederholung der Eröffnungsfahrt zum 100jährigen Bestehen stellt die Fortsetzung in einer Reihe von Eröffnungsfeiern dar, die hoffentlich mit jeweils zunehmenden Verkehrsverbesserungen auch in Zukunft weiter stattfinden werden.
Peter Neugebauer (WSD-Ost)









